Bei der Gründung Landaus standen strategische Gesichtspunkte im Vordergrund. Die Erwägung, ob auf der Bergkuppe außer der Burg auch die Stadt Landau entstehen sollte, musste mit der Überlegung verknüpft werden, woher das Wasser zu beschaffen sei. Ein bis zur Talsohle geführter Windenbrunnen vermochte wohl eine Besatzung der Burg während einer Belagerung versorgen, nicht aber eine Stadt.

Die strategisch günstige Lage auf dem Berg verdrängte mit großer Wahrscheinlichkeit die Frage nach der Wasserbeschaffung. Da die Zisternen im Stadtgebiet für die Wasserversorgung nicht ausreichten, waren die Bewohner gezwungen, das Wasser aus der "Guotte" am Fuße des Berges mit Joch- und Wassereimer hinaufzutragen.

Wichtig ist es zu bedenken, dass es damals noch keine Weidewirtschaft gab. Man trieb das Vieh nicht zur Weide, sondern hatte reine Stallwirtschaft. Man kann sich die Mühsal des Wasserschleppens in heißen Sommern trockener Jahre oder im Winter auf vereisten Wegen bei teilweise zugefrorenen Bachläufen und Teichen vorstellen.

Mit zunehmender Bevölkerung wurde die Frage der Wasserbeschaffung immer zwingender. Der Gemeinderat, mit Bürgermeister, machte sich deshalb Gedanken, wie die Wasserversorgung einfacher zu bewerkstelligen sei. Am "Montag nach Weihnachten im Jahre des Herrn 1534" wurde mit dem Schmied Bartholomäus Pfeiffer ein Vertrag geschlossen, mit dem sich dieser verpflichtete, eine Anlage zu schaffen, "die beständig und dauerhaft Wasser in Rohren bis an den Kump auf dem Markt bringen sollte".

Dieser Vertrag und wohl auch der genannte Schmied hatten sprichwörtlich "Hand und Fuß", denn im Spätherbst 1535 sprudelte das begehrte Wasser aus einer Zapfstelle auf dem Marktplatz in Landau.

Die Lage der Wasserkunst in Landau musste sich zwangsläufig ergeben aus

- dem vorhandenen Antriebswasser des Baches "Watter",
- dem zur Verfügung stehenden und zu pumpenden Wasser aus einer Quelle
- der möglichst kürzesten Entfernung zwischen Wasserkunst und Marktplatz.

Auf diese Weise hat die Wasserkunst ihre Lage am süd/südwestlichen Steilhang der Stadt Landau außerhalb der Stadtmauern erhalten, was sie im Rahmen der Festungsstadt sicherlich leicht verletzlich machte. Jedoch ist von einer durch Kriegseinflüsse und Belagerung hervorgerufenen Schädigung der Wasserkunst nichts bekannt.

Die Wasserleitung hinauf zum Marktplatz bestand aus Holzrohren, sogenannten Pfeifen. Die Stämme wurden im Stadtwald Landau geschlagen, durchgebohrt und vorerst voreinander und später ineinander geschoben und mit Eisenringen gehalten. Obwohl mit Werg abgedichtet, drang Wasser heraus und Jauche hinein. Auch mit Eisenrohren erlebte man keine reine Freude. Sie waren zu teuer. Die Stadt scheute die hohen Kosten und griff immer wieder auf Holzrohre zurück.

Welch technische Meisterleistung von dem Erbauer der Wasserkunst erbracht wurde, mag folgende Übersicht verdeutlichen:

Bezeichnung des Hebewerks Standort des Hebewerks Baujahr Förderhöhe
Großes Rad an der Weser Bremen 1393 8 m
London Bridge (Themse) Westminster (London) 1582 um 30 m
La Samaritaine an der Seine Paris 1608 24 m
Wasserkunst an der Watter Landau 1534 65 m
Wasserkunst an der Wilde Altwildungen (Bad Wildungen) 1580 90 m
Brunnenmühle im Taubertal Rothenburg ob der Tauber 1599 90
Wasserkunst am Grünen Wehr Marburg an der Lahn 1573 115
Quelle: Universität Kassel FG Wasserbau & Wasserwirtschaft - Arbeitsblätter zur Geschichte der Ingenieurbaukunst und Wasserwirtschaft

Bis Anfang des 17. Jahrhunderts mussten die Bewohner von Landau ihr Wasser aus dem einen Kump auf dem Marktplatz holen. Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen weitere Kümpe im Stadtgebiet hinzu und machten eine für damalige Verhältnisse moderne Wasserversorgung Landaus möglich.

Eine grundlegende Verbesserung war der Bau des ersten Hochbehälters im Jahre 1900 neben der Kirche. Er fasste 80m 3.

Erst 1943 wurde die Wasserkunst zwecks besserer Förderleistungen mit einem Dieselmotor mit eingegliederter Doppelkolbenpumpe ausgerüstet. Später wurde dieser durch einen Elektromotor ersetzt. Die Hauptförderung erfolgte aber immer noch durch die von Wasserkraft angetriebenen Pumpen.

Aus überwiegend hygienischen Gründen (Oberflächenverunreinigung des Trinkwassers) wurde die Wasserkunst 1981 stillgelegt und das Landauer Wassernetz an die Volkhardinghäuser Tiefenbohrung angeschlossen.

Da den Landauern dadurch nicht mehr ihr wohlschmeckendes und relativ weiches Wasser aus dem "Kresspfuhl" zur Verfügung stand, fand diese Entscheidung der Stadt Arolsen nur geteilte Zustimmung, zumal auch in trockenen Sommern es nie Probleme mit der Wasserversorgung gegeben hatte.

Heute wird ein auf dem Marktplatz errichteter Kump mit dem Landauer Quellwasser gespeist. Auch eine Weidezapfanlage unterhalb der Wasserkunst wurde eingerichtet, so dass Landauer Landwirte wenigstens für ihr Vieh ihr Wasser zapfen können, gepumpt durch die Wasserkunst wie vor über 470 Jahren.